Das Theatermuseum ist eine Wiener Institution, welche seit 1991 im Palais Lobkowitz, dem ersten bedeutenden barocken Stadtpalast, beheimatet ist. Das großzügige Palais bietet Raum für die ständige wie auch wechselnde Ausstellungen, eine immense Sammlung, einen Shop oder für Veranstaltungen – hier vor allem durch den prachtvolle Eroica-Saal.
Die Sammlung besteht aus weit über einer Million Objekten wie Gemälden, Fotografien, Grafiken, Kostümen und vielem mehr, die Bibliothek umfasst etwa 100.000 Bücher, Zeitschriften, Manuskripte, Theaterzetteln und mehr.
Wir wurden eingeladen, die die Marke des Museums und deren Auftritt – vorher „Österreichisches Theatermuseum“ – neu zu denken und zu gestalten.
Das bezog sich auf den Namen, das Corporate Design und so die Schaffung einer neuen, klaren und starken Marke.
Wir favorisierten den Namen „Theatermuseum Wien“, da Wien als Theaterstadt schlechthin den Namen stärkt und aufwertet und gleichzeitig eine klare Lokalisierung im internationalen Auftreten schafft.
Für die visuelle Umsetzung war unser Grundgedanke, dass im Theatermuseum nicht nur der Blick auf die Bühne, sondern vielmehr auf das Dahinterliegende, das zu Grunde liegende, sich hinter der Bühne befindliche, freigegeben wird.
Neben SchauspielerInnen oder TänzerInnen also vor allem auf die Arbeit von AutorInnen, RegisseurInnen, BühnenbildnerInnen, KostümbildnerInnen, auf die Menschen, die hinter der und für die Bühne wirken.
Es ging also darum, etwas hervorzuheben, was im Hintergrund steht – hinter dem Vorhang.
Wir entwickelten eine Wort-Bild-Marke, die nur durch einen Strich zu einer solchen wurde. Dieser Strich bildet einen Bereich, der einen Teil der Wortmarke verdeckt – und die Marke so auf jene neu geschaffene Ebene setzt, die wir zeigen wollen.
Diese Marke ist so konzipiert, dass sie erst durch die Platzierung ihre volle Wirkung entfaltet.
Denn über alle Plattformen und Publikationen hinweg wird sie zuerst hinter der Hauptebene –gleich ob Online oder Print – platziert, und zwar durch das partielle Umschlagen dieser Ebene. So werden Funktion und Arbeitsweise des Museums sofort sichtbar und klar.
Der Strich der Wort-Bild-Marke wird durch die im exakt gleichen Winkel – hier gibt es einen großzügigen Bereich, der alle relevanten Umsetzungen ermöglicht – des Falzes der umgeschlagenen Fläche verdeckt.
Dieser Teil der nun sichtbaren Rückseite ist immer durch starke, durchaus auch kontroverse Farben geprägt, die die emotionale Ebene ansprechen. Die Farben kommen einerseits aus der Ausstellungsarchitektur/Szenografie, andererseits aber reagieren wir so auf den Umstand, dass für viele Ausstellungsprojekte des Museums vorwiegend Bildmaterial in Graustufen zur Verfügung steht.
Durch das Schaffen und die Betonung eines Hintergrundes wird außerdem Spannung und Neugier erzeugt, die danach verlangt, mehr zu sehen, hinter den Vorhang zu treten – also in das Theatermuseum.
Die Wortmarke ist in der Abril Fatface von TypeTogether gesetzt, eine Schrift, die aus der Familie der klassizistischen Didone kommt, jedoch als Slab-Serif entwickelt wurde. Die Serif-Variante war Anfang des 19. Jahrhunderts auf Plakaten und in der Werbung weit verbreitet. Die Slab-Variante ist noch stärker, spannender und präsenter – vor allem aber wirkt sehr aktuell und spricht so gezielt jüngere Generationen an, ebenfalls ein Wunsch des Museums.
Der Font des Logos wird mit der Aperçu (Colophon-Foundry / UK) kontrastiert, welche die großen Grotesk-Schriften wie Gill Sans, Franklin Gothic oder Helvetica verschmelzt und in die Gegenwart holt. Zahlreiche Kunstinstitutionen, wie etwa das MOMA, verwenden diese Schrift.